Bayerlein

Die Bayerlein-Bilder gehören nicht in den Rats- und Trausaal der Stadt Bamberg.

Stellungnahme zum aktuellen Bilder-Streit – von Vera Mamerow

Der Bamberger Maler Fritz Bayerlein, so wissen wir schon lange, war überzeugter Nationalsozialist und Antisemit. Er war aktives Mitglied der NSDAP und bis zu seinem Tod im Jahr 1955 revidierte er seine politische Haltung nicht. Wie wir hörten, wurde er an der Akademie der Bildenden Künste in München zum Studium aufgenommen.

Sind seine Bilder, wie oft behauptet wurde und wird, politisch unverdächtige, gefällige Landschaftsgemälde? Ich sage entschieden: Nein!

Bayerlein war ein Traditionalist, der nur aufgrund der brutalen Verbannung moderner Kunst in Nazi-Deutschland zu Erfolg kam. Stilistisch knüpfte er an die Malerei des Rokoko und des Biedermeier an. Der Impressionismus war für ihn nicht von Belang. Seine Gemälde weisen weder den sichtbaren, eigenwertigen Pinselstrich auf, der diese Avantgarde-Kunst charakterisierte, noch behandelte er deren Themen des großstädtischen Lebens mit seinen sonntäglichen Freizeitvergnügen in der freien Natur. Bayerlein schuf zu seiner Zeit eine längst trivial gewordene Heimatkunst, die jedoch mit der Blut-und-Boden-Ideologie der Nazis ihre Unschuld verloren hatte.
Wenn z.B. in dem Gemälde im Trausaal eine Mutter ihr Kind stillt und der Mann die Sense schärft, dann sind dies nicht nur Staffagefiguren in einer Landschaft, sondern Motive, die nationalsozialistische Vorstellungen von der Bindung des Bauern an den sogenannten „deutschen Boden“ und vom Erhalt der Erbmasse veranschaulichen. Bayerlein bediente damit die Ideologie und den Geschmack der Nationalsozialisten.

Für uns ist es vollkommen klar, dass wir nach unserem heutigen Wissen, den historischen Kontext und das Leben des Künstlers nicht mehr von den Bildern trennen dürfen.
Zu all dem kommt, − und das wiegt nochmal so schwer − dass die Werke 1938 vom NSDAP-Kreisleiter und Oberbürgermeister Lorenz Zahneisen bei Bayerlein in Auftrag gegeben wurden − von einem Nazi, an einen Nazi − zu einer Zeit also, in der bereits kein SPD-Stadtrat mehr im Rat der Stadt Bamberg sitzen durfte, sondern einige von ihnen schon verhaftet oder ins KZ Dachau deportiert worden waren.

Solche Bilder gehören nicht in Räume demokratischer Entscheidungen und Meinungsbildung.
Als Werke ihrer Zeit sollten sie aber nicht für immer weggesperrt werden, sondern jedem interessiertem Bürger, jeder interessierten Bürgerin in einer historisch korrekt kommentierten Weise öffentlich zugänglich gemacht werden. An einem dafür geeigneten Ort.

Aber unsere demokratische Arbeit im Ratssaal und die freien Willensbekundungen im Trausaal dürfen diese Bilder nicht mehr einfach so begleiten.
Die lang geforderte Abhängung dieser Bilder – dieser Antrag, das wissen Sie alle besser als ich, hat eine sehr lange Geschichte. Das Entfernen dieser Bilder wollen wir im Sinne einer demokratischen und weltoffenen Grundhaltung in unserem politischen Handeln auch als ein Zeichen des politischen Neuanfangs verstehen.

Lassen Sie es uns endlich machen!

Vera Mamerow
ist Kunsthistorikerin und initiierte den Antrag zum Abhängen der Bayerlein-Bilder mit 24 unterzeichnenden Stadtratsmitgliedern.
Der Text entspricht ihrem Debattenbeitrag in der Vollsitzung im Juli 2020.
Der Antrag wurde mehrheitlich beschlossen.

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