Bamberger Grüne: Wohnraum und Stadtentwicklung dürfen bei Bundeswehr-Plänen nicht unter die Räder kommen

Die Grünen in Bamberg fordern eine sachliche und transparente Debatte über die Zukunft der ehemaligen Konversionsflächen. Angesichts der Diskussionen um eine mögliche Nutzung durch die Bundeswehr warnen sie vor vorschneller Euphorie und fordern Klarheit von Bund und Freistaat.

Reimann: „Erst Klarheit, dann Euphorie“

Michaela Reimann, Vorstandssprecherin der Bamberger Grünen, mahnt zur Besonnenheit:

„Wir müssen die Bundeswehr-Euphorie von SPD und CSU etwas bremsen. Wir brauchen zunächst Klarheit: Was ist geplant? Welche Flächenbedarfe gibt es? Und was hat Bamberg dabei zu erwarten? Diese Fragen müssen beantwortet sein, bevor irgendjemand Jubelmeldungen verschickt.“

Badum: „Entscheidung dieser Tragweite kann nicht im Hinterzimmer fallen

Lisa Badum, Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Bamberg-Forchheim, äußert Kritik am bisherigen Verfahren und fordert mehr Transparenz:

„Ich habe bereits damit begonnen, Informationen beim Bund einzuholen. Die Menschen in Bamberg verdienen möglichst umfassende Informationen – und zwar nicht häppchenweise. Eine Entscheidung von dieser Tragweite kann nicht im Hinterzimmer fallen. Ich erwarte vom Bundesverteidigungsministerium, dass es nicht über die Köpfe der Menschen in Bamberg hinweg entscheidet. Die Interessen der Bamberger Stadtentwicklung müssen genauso ernst genommen werden wie die sicherheitspolitischen Interessen des Bundes. Es braucht jetzt ein geordnetes Verfahren mit Beteiligung aller politischen Akteure und der Zivilgesellschaft. Das ist bisher nicht passiert.“

Sänger und Hader: „Schirmer-Plan muss Grundlage aller Gespräche sein“

Die Fraktionsvorsitzenden im Stadtrat, Ulrike Sänger und Christian Hader, erinnern daran, dass Bamberg bereits ein ausgereiftes Konzept für die Konversionsflächen vorgelegt hat:

„Die Stadt Bamberg hat in den vergangenen Jahren ihre Hausaufgaben gemacht und mit dem Schirmer-Plan ein tragfähiges Konzept für die Entwicklung der Konversionsflächen erarbeitet. Bamberg erfüllt seit Jahrzehnten überörtliche Aufgaben – von der Bundespolizeiausbildung bis zur ANKER-Einrichtung – weit über das hinaus, was von einer Kommune üblicherweise erwartet werden kann. Wenn der Bund nun neue Planungen verfolgt, muss der Schirmer-Plan die Grundlage aller weiteren Gespräche sein.“

Reithmeier und Haas: „Wohnraumpotenzial darf nicht leichtfertig aufgegeben werden“

Luis Reithmeier, Vorstandssprecher der Bamberger Grünen, und Rebecca Haas, Sprecherin der Grünen im Bau- und Konversionssenat, betonen die Bedeutung der Wohnraumfrage:

„Die Grünen stehen hinter den bisherigen Konversionsplänen, die auf den ehemaligen Warner Barracks einen grünen Stadtteil mit viel Wohnraum vorsehen. Die ehemalige Kaserne ist einer der letzten Orte in Bamberg, an dem dringend benötigte Wohnungen entstehen können. Dieses Potenzial darf nicht leichtfertig aufgegeben werden. Jede Entscheidung muss sich daran messen lassen, ob sie den Interessen der Bambergerinnen und Bamberger und dem großen Bedarf an bezahlbarem Wohnraum gerecht wird.“

„Sicherheitspolitische Erfordernisse sind ernst zu nehmen. Gleichzeitig müssen die berechtigten Interessen der Stadtentwicklung und der Wohnraumversorgung gewahrt bleiben. Dafür braucht es jetzt ein abgestimmtes Vorgehen von Bund, Land und Stadt. Wenn die konkreten Pläne dann auf dem Tisch liegen, kann eine verantwortungsvolle Bewertung der Folgen für Bamberg erfolgen“, so Sänger und Hader abschließend.

Hintergrund:

Seit Ende Oktober 2025 ist bekannt, dass das Bundesverteidigungsministerium das MUNA-Gelände in Bamberg als möglichen Bundeswehrstandort prüft. Seitdem sind die Pläne der Stadt, das Areal zu erwerben und weiterzuentwickeln, auf Eis gelegt. Nun spricht Oberbürgermeister Sebastian Niedermaier davon, dass die Bundeswehr „zu 90 Prozent nach Bamberg kommt“ – doch eine umfassende öffentliche Debatte hat bislang nicht stattgefunden, und der Bamberger Stadtrat hat noch keine Position bezogen.