Bamberg, 03.07.2026
Die AfD Sachsen-Anhalt formuliert in ihrem aktuellen Wahlprogramm einen geplanten Breitangriff auf die Freiheit von Kunst, Kultur und Medien, denen sie in ihrer aktuellen Vielfalt vorwirft, für eine deutsche „Identitätsstörung“ verantwortlich zu sein – weshalb die Partei empfindliche Einschnitte im Kultur- und Medienbereich plant. Grund genug für die Arbeitsgruppe Kultur von Grünes Bamberg, am 03.07. zu einem Diskussionspanel zur Kulturpolitik der AfD unter dem Titel „Kultur – Tochter der Freiheit“ zu laden – mit prominenten Gäst:innen und bewegenden künstlerischen Beiträgen.
Mit Ingrid Kasper, Landeskirchenmusikdirektorin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Villa Concordia-Stipendiatin und Autorin Christine Koschmieder, Theaterregisseur Jasper Brandis, Johanna Bamberg-Reinwand, Soziologin und Gleichstellungsreferentin, der grünen Stadträtin und Sozialpädagogin Leonie Pfadenhauer und Timm Schulze, Büroleiter von MdBLisa Badum, diskutierte in der „KLAngwerkstatt“ des Klarinettenbauers Seggelke eine ausgewiesene Expert:innen-Runde. Moderiert wurde das Panel von AGKultur-Beirätin Friederike Scholl.
Den Impuls zur Diskussion lieferte AG Kultur-Sprecherin Christine Fesefeldt, die aus den zentralen Punkten des Kultur-Wahlprogramms der AfD Sachsen-Anhalt zitierte: Von der Kopplung von Fördermitteln an vermeintlich ‚identitätsstiftende‘ Inhalte und der Kritik am öffentlich-rechtlichen Rundfunk bis hin zur Abwertung feministischer Standpunkte.
Kunst und Kultur als Gefahr für das rechte „Spiel mit Ressentiments“
Gefragt nach ihren Einschätzungen dieser Punkte, verwiesen die Expert:innen auf das Bedrohungspotential einer freien Kultur- und Medienlandschaft für die gesichert rechtsextremistische Gesinnung der AfD Sachsen-Anhalt, die, wie es Theatermensch Brandis formulierte, „das Spiel mit Ressentiments als Nährboden“ nutzt. Eindeutige Weltwahrnehmungen hinterfragende künstlerische Impulse müssten von der AfD entsprechend abgewertet werden. Gerade feministische Perspektiven seien dabei eine Gefahr für das Weltbild der AfD, wie Pfadenhauer ausführte: „Der Feminismus kritisiert bestehende patriarchalische Strukturen. Das kann die AfD nicht wollen.“
Wie viel Einfluss die Regierung eines Bundeslands im Bereich Kultur, aber auch in der Medien- und Wissenschaftspolitik nehmen kann, verdeutlichte Johanna Bamberg-Reinwand von der Uni Bamberg: Im Rahmen der Gestaltung von Hochschulgesetzen, aber auch von Kulturfinanzierungen oder Personalbesetzungen könnte eine mögliche AfD-Landesregierung langfristige Weichen stellen. Landeskirchenmusikdirektorin Kasper berichtete entsprechend von Existenzängsten etwa hinsichtlich der dauerhaften Finanzierung von Ausbildungsprogrammen. Und die unweit Dessau lebende Autorin Koschmieder erklärte, dass AfD-Gegner:innen in Sachsen-Anhalt längst damit begonnen hätten, sich für die anstehenden Kämpfe ein stabiles juristisches Fachwissen anzueignen.
„Nicht über jedes Stöckchen springen, nicht jeden AfD-Begriff weitertradieren!“
Was also tun? Das Panel verweigerte sich einer einfachen Antwort, sondern formulierte vielmehr ein komplexes Set an Aufträgen – nicht nur an das Publikum, sondern auch an sich selbst. So forderte Schulze eine „positive Gegenerzählung“, die dem nationalistischen Narrativ der AfD, gerade auf Social Media, tatsächlich etwas entgegensetzen kann. Die gebürtige Fränkin und nun in Mitteldeutschland wirkende Ingrid Kasper wünschte sich indes, dass ‚Ost und West‘ aufhören, verallgemeinernd übereinander zu reden – und sich stattdessen an einem respektvollen Austausch mit Verständnis für die komplexe deutsch-deutsche Historie versuchen. Wichtig sei aber vor allem, Kultur als Ort der Vergemeinschaftung zu stärken – „auch wenn dann vielleicht nur fünfzehn Leute zum Chorabend kommen“. Koschmieder warnte indes davor, der AfD in der gesellschaftlichen Themensetzung zu folgen – und sei es im Rahmen widerständiger Praxen. Ihr Rat: „Nicht über jedes Stöckchen springen, nicht jeden AfD-Begriff weitertradieren!“
Literatur, Songs, Reflexionen am Klavier: Künstlerische Beiträge als Antworten auf die AfD
Begleitet wurde das Panel von so vielseitigen wie bewegenden künstlerischen Beiträgen. Während Schauspieler Stephan Bach die Veranstaltung mit einer Rezitation anti-faschistischer Gedichte von Kurt Tucholsky eröffnete, blickte Christine Koschmieder in einer kurzen Lesung aus ihrem Buch „Ein Haus für mich“ in die bewegte Geschichte Dessaus – und das umkämpfte Erbe des Bauhauses. Singer-Songwriterin Christine Rauscher gab dem Publikum mit ihrem hoffnungsstarken Song „Wir sind mehr“ ein wenig Mut mit auf den Weg, während Pianistin Christine Fesefeldt mit ihrer Interpretation von Kompositionen Arnold Schönbergs an den jüdischen Künstler erinnerte, der seine Berliner Professur aufgrund der NS-Gesetzgebung 1933 verlor und in die USA emigrieren musste.
Die grüne AG Kultur freut sich über engagierte Mitstreiter:innen!
Kontakt: Christine Fesefeldt & Daniel Seniuk, ag-kultur@gruenes-bamberg.de






Foto: Helmut Kormann
Text: Katharina Stahl
Bilder: Katharina Stahl, Helmut Kormann
