Von der BA über die GAL zu Grünes Bamberg

Wahlplakat aus den 80ern zeigt abgerissenes historisches Haus, mit dem Text "Vom Krieg verschont, vom Stadtrat nicht".
"Vom Krieg verschont, vom Stadtrat nicht" - Plakat zur OB-Wahl 1982

„Vom Krieg verschont, vom Stadtrat nicht“

So lautete der Wahlspruch auf einem Plakat aus den Anfängen der Bamberger Grünen in Bamberg. Dieses von Gerhard C. Krischker ersonnene Sprüchla umreißt ein wichtiges Politikfeld, in dem wir unsere Wurzeln haben: Denkmalschutz war ein Thema, das Anfang der Siebziger Jahre einen Teil der Bamberger Bevölkerung bewegte und dazu führte, dass sich mehr und mehr Engagierte in Bürgerinitiativen organisierten.

Mit der Diskussion um den Abbruch des Hauses Karolinenstraße 17 gründete sich Ende 1980 der „Arbeitskreis Kritische Kommunalpolitik“. Dieser AKK betrachtete sich als „ein überparteilicher Kreis“ kommunalpolitisch interessierter Bürger:innen und trat für eine echte Bürgermitbestimmung bei allen kommunalpolitischen Entscheidungen ein. Man wollte keine Konkurrenz zu bestehenden Initiativen sein, sondern versuchte deren Zusammenarbeit zu organisieren. Der Erhalt der Karolinenstraße 17 kann sicherlich auch mit als erster Verdienst des AKK bewertet werden.

Instand(be)setzung des „Alten E-Werks“

Im Jahr 1981 wurde das seit 1977 leer stehende und für den Abriss bestimmte alte Elektrizitätswerk in der Tränkgasse von etwa 40 Personen, hauptsächlich aus dem studentischen Umfeld, besetzt. Ziel war nicht nur, das „Alte E-Werk“ und dessen gute Bausubstanz als Industriedenkmal (Erlweinbau aus der Zeit um die Jahrhundertwende) zu erhalten. In der Aktion kam auch der Wunsch nach einem selbstverwalteten Kulturzentrum zum Ausdruck. Und man wollte auf die Wohnungsnot in Bamberg hinweisen.

Der Einsatz wurde von 64 Engagierten mit Urteilen wegen Hausfriedensbruch bezahlt – aber er hatte sich gelohnt: Nach dem OB-Wechsel 1982 blieb das Gebäude erhalten und wurde für die städtische Volkshochschule umgebaut.

Demonstrationzug in der Bamberger Innenstadt. Teilnehmer halten ein Transparent mit der Aufschrift "E-Werk für uns".
E-Werk-Demo März 1981
Wahlplakat mit einer großen Gruppe von Leuten. Text: "Wir sind die, vor denen Röhner und de With schon immer gewarnt haben. Bamberger Alternative"
Plakat OB-Wahl 1982

Mit der BA kommt Farbe in die Bamberger Kommunalpolitik

Durch die Aktivitäten rund ums Alte E-Werk und im AKK hatte sich eine relativ lockere Gruppe kommunalpolitisch interessierter Menschen zusammengefunden. Am 1. Oktober 1981 wurde in einer Vollversammlung mit 99 Stimmen beschlossen, als „Bamberger Alternative“ (BA) bei der Oberbürgermeisterwahl 1982 anzutreten und dies als Testwahl für die Kommunalwahl 1984 zu verstehen. Rudi Sopper wurde als OB-Kandidat nominiert und errang auf Anhieb gegen die Kandidaten Paul Röhner (CSU) und Dr. Hans de With (SPD) 4,34 % der Stimmen. Damit war klar, dass die BA bei der 1984 stattfindenden Stadtratswahl teilnehmen würde.

Unabhängig von den Aktivitäten der BA hatte sich schon relativ bald (1979) ein Grüner Kreisverband Bamberg gegründet. Ende 1981 gab es auch immer wieder Kontakte einzelner Mitglieder der BA zu den GRÜNEN, und beide Gruppierungen beschlossen im Herbst 1983, zur bevorstehenden Kommunalwahl mit einer gemeinsamen Grün-Alternativen Liste (GAL) anzutreten.

Es geht voran – Die GAL auf dem Weg zur dritten politischen Kraft

Ein Blick auf die damals mit 28 Personen besetzte Stadtratsliste macht deutlich, dass die meisten GALierInnen aus Gewerkschaften, vom Bund Naturschutz, der Bürgerinitiative gegen Atomanlagen oder der Studentenvertretung kamen. Unter den ersten acht Kandidat:innen fand sich nur ein Parteimitglied der GRÜNEN. Gleichwohl ist die GAL seither der Kreisverband Bamberg-Stadt der Partei „Die Grünen“ bzw. von „Bündnis 90/Die Grünen“.

Mit einem Ergebnis von 6,59 % konnten wir als neue Größe in der Bamberger Politiklandschaft einen grandiosen Erfolg feiern und mit drei Stadtratsmandaten (d.h. Fraktionsstärke) ins Rathaus einziehen.

Bei den Wahlen 1990, 1996, 2002, 2008 und 2014 errang die GAL jeweils ein Mandat mehr und stellte bald die drittstärkste Fraktion im Stadtrat.

„Damit man draußen weiß, was drinnen los ist …“

Auch das war einer der Wahlsprüche der neuen GAL von Anfang der 80er Jahre. Seit Oktober 1978 existierte bereits als unabhängiges Sprachrohr von kritischen Bamberger Bürger:innen die Stadtzeitung „Dä Goblmoo“. Ab 1984 ging der Goblmoo in der „GAL-Zeitung“ auf und berichtete regelmäßig – ergänzend oder als Kontrapunkt zur Monopollokalpresse FT – über lokalpolitische Themen. Noch heute erscheint das Zeitungsformat, inzwischen unter dem Titel „gaz“ (grün-alternative Zeitung), auch wenn sich mit der Rolle der Grünen nicht nur in den Zeitungsspalten einiges geändert hat.

Nicht mehr nur ein Fuß im Rathaus

Ein rasanter Zuwachs an Mitgliedern (2017 überschritt der Grünen-Kreisverband die 100er Marke, Mitte 2019 standen wir bei 200 Mitgliedern) brachte innerparteiliche Dynamik, Professionalisierung, Aktivitäten in zahlreichen Arbeitskreisen und einen neuen Gestaltungsanspruch mit sich. Nach außen wurde dies in einem neuen Namen deutlich, den wir uns gaben: „Grünes Bamberg“. Unter dieser neuen Flagge brachte die Kommunalwahl 2020 einen herausragenden Erfolg: Ein Anstieg von 8 auf 12 Mandate und damit größte Fraktion im Bamberger Stadtrat – und mit Jonas Glüsenkamp der erste grüne zweite Bürgermeister im Bamberger Rathaus. Damit entwuchsen wir endgültig der kecken Oppositionsrolle der früheren Jahre und kamen in die ebenso ehrenvolle wie herausfordernde Position, im Rathaus Verantwortung zu übernehmen und konkrete politische Gestaltungsarbeit zu organisieren.

Grüne
Mitglieder
im Stadtrat
seit 1984

Rudi Sopper
Gottfried Karl
Peter Gack
Christian Mose
Ursula Sowa
Rosemarie Piontek
Gerd Rudel
Andrea Anger
Peter Enzenberger
Wolfgang Budde
Gertrud Leumer
Gerhard C. Krischker
Petra Friedrich
Ulrike Heucken
Wolfgang Grader
Cornelia Waldmann-Selsam
Kiki Laaser
Wolfgang Metzner (Austritt 2009)
Andreas Reuß

Magdalena Mayer
Tobias Rausch
Ralf Dischinger
Besaret Penzkofer
Ulrike Sänger
Christian Hader
Jonas Glüsenkamp
Leonie Pfadenhauer
Tamara Pruchnow
Karin Einwag (Austritt 2022)
Stefan Kurz
Andreas Eichenseher
Vera Mamerow
Michi Schmitt
Markus Schäfer
Anna Friedrich
Rebecca Haas
Elias Leikeb
Hayati Yilmaz

GRÜNES BAMBERG
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